Im Gespräch: Fee Bücheler

 

Sie fährt für Lush Longboards, Cult Wheels und Sabre Trucks, organisierte das erste Women’s Longboard Camp weltweit und steckt schon in den Planungen zu den nächsten Camps, die Rede ist von Fee Bücheler – Europäerin.Fee Bücheler

Dank der 40inch kam es zu diesem spontanem Zusammentreffen mit Fee auf der ISPO MUNICH 2013 und demzufolge zu diesem Interview. Neben ihren Tätigkeiten im Rollladen Zürich und bei Freestyle.ch, wirkt sie beim Women’s Longboard Camp mit und kümmert sich aktiv darum, mehr Frauen an den Boardsport heranzuführen.

Fee, erzähl doch mal bitte was du machst und wer du überhaupt bist?

Ich bin eine Frau, wohne in meinem Auto, seit bald zwei Jahren, ich reise, fahre Skateboard und arbeite an Projekten, an die ich der Meinung bin, man glauben kann.

 Fee Bücheler Projekte an die man glauben kann, hast du ein Beispiel?

Mein momentaniges oberober Baby ist das Women‘s Longboard Camp. 2012 das allererste mal in Slowenien, wir waren ziemlich gestoked, wie stark die Nachfrage war. Nach eineinhalb Wochen waren alle Plätze schon ausgebucht. Dieses Jahr machen wir es ein bisschen größer, d.h. wir organisieren zwei Camps direkt hintereinander. Ansonsten arbeite ich im Rollladen in Zürich, sowie im Personalmanagement fürs Freestyle.ch, das ist das größte europäische Extremsportevent momentan und achja die Bike Days in Solothurn, dass sind so die grösseren Projekte. Letztes Jahr dachte ich, mir gefällt es in Wien, da war ich dann sechs Wochen und hab ein Longboard Pop-Up Store aufgemacht – so Geschichten halt.

 

Du tanzt also auf so einigen Hochzeiten gleichzeitig. Wo liegen denn deine Wurzeln?

Meine Wurzeln kommen eigentlich aus dem Snowboarden. Ich habe mit 17 meine erste Ausbildung angefangen, die ziemlich deprimierend war.  Einzelhandelskauffrau, bei Karstadt Sport – ja, Karstadt, sagt schon mal ziemlich viel aus. Doch dadurch bin ich zum Snowboarden gekommen, weil ich die Möglichkeit durch die Ausbildung hatte. Das Snowboarden hat mich damals gehalten, nur dann kam das nächste Problem, ich war im Sommer so übelst frustriert, mir hat das snowboarden extrem gefehlt. Irgendwann hatten meine Kumpels die Schnauze voll von meiner Heulerei und haben mich aufs Longboard gestellt. Gleich am ersten Tag hab ich mir die Rippen angebrochen und somit beschlossen, dass ich Longboarden unbedingt lernen muss! Damals wusste ich nicht, dass es eine Fußbremse gibt, dann hast du dir halt Büsche gesucht und in denen gebremst – so  kam das mit dem Longboarden und seither komme ich da nicht mehr von los.

Ja, das kenne ich nur zu gut. Wie kam dir denn die Idee zu dem Women’s Longboard Camp?

Das ist so ein langjähriger Prozess – was mich immer schon geflasht hat, ist mehr Frauen an den Boardsport ranzubringen. Früher war das viel krasser, da gab es kaum welche. Frauen haben oft Probleme gehabt in die Szene zukommen unter anderem auch weil sie oft länger brauchen zum lernen. Die wenigsten Frauen sind wirklich so taff und fahren halt den Jungs hinter her, sie brauchen mehr Zeit. Wir hatten bestimmt schon tausend Projekte im Frauensupport. Zwischendurch hatte ich auch mal sechs Jahre ein reines Longboard Label, nur für Frauen. Das Camp hatte ich daher schon immer im Kopf, aber es war nie so der richtige Zeitpunkt. Ich habe immer gedacht, es braucht eine Location, die sich richtig anfühlt. Dann war ich 2011 auf dem KNK (Freeride) in Slowenien und da war es klar, das ist der richtige Spot und die richtige Zeit dafür. Stolz bin ich schon drauf, ein richtiges Camp mit Kursen und vollem Programm, das hat noch niemand auf der ganzen Welt gemacht – das ist das perfekte Projekt!

 Fee Bücheler

Damit lagst du anscheinend auch völlig richtig. Teilweise ist es vielleicht für den weiblichen Part der Gesellschaft schwieriger in der Szene Fuß zu fassen, was würdest du denn Frauen empfehlen, wenn sie mit Boardsport anfangen wollen?

Ich weiß nicht, es gibt da nicht wirklich so eine Regel dafür. Jede/r ist ein Individuum. Es ist schon so, entweder du gehst mit den Jungs und schluckst einfach teilweise die Sprüche und bist so taff, oder du hast die Möglichkeit und schreibst mal jemanden an. Bei mir ist so das mich viele Mädels anschreiben und fragen ob ich wiederum andere Mädels in ihrer Nähe kenne und dadurch entsteht quasi ein Network, die pushen sich dann auch wahnsinnig gegenseitig.Eine andere Möglichkeit wäre auf ein Event zu gehen, wenn man es sich zutraut und zu sagen: „Hallo ich bin die und die und würde auch mal gerne mitfahren!“ Viele Städte haben auch Stammtische und die Leute nehmen sich immer die Zeit. Am besten aber kommt in unser Camp. 😀 Grundsätzlich, die Longboard Family ist eine sehr gemütliche Community, also keine Scheu!

Was ist denn das next Level nachdem Women’s Longboard Camp für dich? So wie ich dich jetzt einschätze, schweben dir doch bestimmt schon wieder ganz neue Ideen im Kopf rum.

The next Level – ich habe ganz viele Ideen, haha. Na, das Camp ist schon relativ groß geworden, im Gegensatz zum letzten Jahr. Ich würde gerne mal noch ein bisschen Erfahrungen sammeln und wir sind gerade auf der Suche nach einem Winterspot. Es gibt da einige interessante Kontakte, die in der letzten Zeit geknüpft wurden. D.h. Ich werde ein bisschen in verschieden Ländern reisen und mir das alles mal anschauen. Next Level im Bezug Camps wäre dann schon Frauen und Männer gemischt, da gibt es definitiv schon Nachfrage, aber alles zu seiner Zeit. Das hat alles noch sehr viel Potenzial, wie gehe ich in einen Sport rein, wie wärme ich mich auf und wie ernähre ich mich? Yoga, du kannst es mit so viel kombinieren, Slacklinen, Balance-Board, da sind keine Grenzen, du kannst dich da vollkommen austoben!
Fee Bücheler

Das Women’s Longboard Camp soll ja gepust werden, suchst du da noch Unterstützer für das Camp und wenn welche Unterstützung kommt euch am gelegensten?

Das Camp kann man in dem Sinne unterstützen, indem man den Mädels noch ein bisschen mehr pusht, mit Material ganz klar. So ein Camp kostet natürlich ziemlich viel Geld. Wir lassen Straßen sperren, die sind normalerweise für 200 Leute gesperrt, dementsprechend verteilen sich die Kosten ganz anders. Geld spielt in dem Sinne immer eine Rolle, für alles was cash ist, sind wir auch super dankbar.

Du sagst du kommst vom Snowboarden, aber machst du derweil noch weiteren Ausgleichsport?

Ausgleichsport ist wichtig! Ich mache ganz klar ein bisschen mehr Training als vor ein paar Jahren. Yoga, Schwimmen und Laufen sind so meine Favoriten.

 

Also bist du morgens hier bei den Yoga Sessions auf der ISPO?

Gibt es die? Tja, ich bin ISPO Hangover morgens. Siehst du, da hast du einen Vorteil, ich habe das ISPO Heft noch nie gelesen.Fee Bücheler

Na, Yoga und Weißwürstle zum Start in den Tag, wobei ich es mir lieber nicht antue. Aber wo kommst du denn eigentlich ursprünglich her?

Also aufgewachsen bin ich in Stuttgart. Dann habe ich glaub sieben Jahre in Freiburg gelebt und jetzt lebe ich im Auto, also ich bin eigentlich Europäer.

Und wie erreicht man dich überhaupt postalisch?

Postalisch erreicht man mich via EMail, aber ansonsten bin ich auch ein ziemlich guter Networker, es kann schon bis zu vier Monate dauern, bis ich mich zurückmelde 😉

Fährst du denn auch für irgendwelche Brands?

Ja, ich fahre für Lush Longboards, Cult Wheels und Sabre Trucks. Ansonsten habe ich auch noch so ein paar kleinere Sponsoren in alle möglichen Richtungen. Zum Beispiel meinen Klamotten-Sponsor, Sixxa, ein ganz kleines Wiener Label. Ich fahre für LesEttes, die machen Kosmetik und für den Rollladen in Zürich für den ich auch arbeite.

 Fee Bücheler

Ein herzliches Danke an Fee für dieses nette Gespräch, natürlich wird weiterhin ein Auge auf Fee und das Women’s Longboard Camp geworfen. Weiterhin alles Gute und viel Erfolg.

www.womenlongboardcamp.com

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Björn ist 28 Jahre alt und hat Musik- und Medienmanagement, sowie Journalism and Visual Media studiert. Er kam vor Jahren zwecks Studiums aus Oldenburg nach Berlin, studierte zwischendrin ein Jahr in Dublin und kam seither nicht mehr von der Hauptstadt los. Vom Skaten und Snowboarden angetrieben, entwickelte sich schnell eine Leidenschaft zum Longboarden und die Idee zu rolligebrettl nahm Gestalt an und ging im Sommer 2012 online.

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