Interview: Josefine Blume

Josefine Blume

Hey Josefine, erzähl mir doch mal kurz wer du eigentlich bist, ich kenn dich nur als gut gelaunte, rumhüpfende Longboarderin.

Josefine Blume: Ja, das Hüpfen. -Immer wenn andere Longboarder in der Nähe sind, neige ich zum Rumhüpfen aus purer Freude darüber. Denn hier Magdeburg, wo ich mich im Moment auf mein Examen schreibe, treffe ich relativ wenige – abgesehen von den Menschen in meiner Umgebung, die ich damit anstecke. Aktuell besteht mein Tag nur aus Lernen und Skaten, was mir eigentlich ziemlich gut gefällt – leider kann das nicht ewig so weitergehen, denn bald bin ich Ärztin. Kaum zu glauben aber wahr… .

Du hast mittlerweile auch an ein paar Contests teilgenommen, den europäischen Longboard Dancer Meisterschaften, bei dem Eurodance kamst du mehr oder weniger bis ins Halbfinale. Leider gab es einen Fehler in der Organisation und du wurdest wieder rausgekickt und Esther kam an deiner Stelle – ziemlich beschissen –  was ging dir dabei durch den Kopf? 

JB: Wie man sicher wieder am Rumhüpfen sehen konnte, war meine Freude und Überraschung riesig. Wahrscheinlich noch größer als bei den meisten Anderen, weil es ja erst mein zweiter Contest war und die Konkurrenz zudem großartig war. Ich hätte es jedem der Mädels gegönnt. Deshalb war es dann gar nicht schlimm, nicht im Halbfinale dabei zu sein, sondern nur die Art und Weise, wie das Ganze abgelaufen ist. Zumindest eine Entschuldigung wäre cool gewesen.

Cool war die Aktion auf jeden Fall nicht, wie denkst du im Nachhinein darüber?

JB: Im Nachhinein überwiegt auf jeden Fall der Spaß, den ich bis dahin über die zwei Tage hatte. Definitiv eines meiner tollsten Skateerlebnisse! Außerdem danke ich allen, die mich mit ihrem Zuspruch sofort wieder aufgebaut haben. Damit war der Ärger schnell verflogen. Denn hey: 5. bei der europäischen Meisterschaft!

Josefine Blume

Schwamm drüber, es geht weiter. Was ist überhaupt deine Motivation an den Contests teilzunehmen?

JB: Am Anfang wollte ich einfach mal, richtig gute Dancer live sehen und ausprobieren, wo ich stehe. Als ich dann das erste Mal mitgemacht habe, wurde ich von den Mädels – besonders den Kölner Gören 😉 – direkt so lieb aufgenommen, dass ich das immer wieder wollte. Es bringt so viel Spaß, mit Leuten zusammen zu sein, denen Longboarden auch ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ich habe auf den Contests schon so viele nette Leute getroffen, dass inzwischen jede Veranstaltung auch eine Möglichkeit ist, ganz viele Freunde auf einmal zu treffen. Und natürlich bin ich abgesehen davon auch stolz auf das, was ich schon kann und will das Dancen in die Welt hinaustragen.

Vor kurzem kam erst ein knuffiges retro Video von dir raus, wie kamst du zu der Idee und was wird noch kommen?

JB: Retro? Hahaha, schöne Umschreibung… . Ich habe ja aktuell weder einen Sponsor, noch kenne ich, zumindest hier in Magdeburg, Menschen mit tollen Kameras und Know How. Deshalb lief das Video nur als kleine Self- made-Produktion, ohne jeden Schnickschnack. Ursprünglich für mich selbst, aber dann natürlich auch um zu zeigen, was ich kann. Ich hoffe, dass ich bald in Zusammernarbeit mit mit jemand professionellem etwas besseres auf die Beine stellen kann.

Die Frage die man gerne vielen stellt, wie bist du zum Longboarden gekommen?

JB: Vor ziemlich genau zwei Jahren war ich mit meinem Freund in Barcelona, der Skatestadt überhaupt. Das sagt doch fast schon genug. Wir fanden die Vorstellung auch auf der Strandpromenade zu cruisen so lässig, dass es nach unserer Rückkehr nicht lange gedauert hat, bis wir rollige Bretter unter den Füßen hatten und seitdem so gut wie jeden Tag.

Und was sind deine schönsten Momente mit dem Longboard gewesen?

JB: In den letzten zwei Jahren hab ich einige tolle Trips gemacht, bei denen immer ein Brett dabei war. Besonders schön wird es dann immer, wenn wir spontan Locals treffen. Ich denke da vor allem an einen warmen Sommerabend in Bordeaux. Außerdem gefällt es mir einfach sehr, Städte per Brett zu erkunden: am Queensday durch Amsterdam, Skaten vorm Eiffelturm, durch Wien, quer über die Ile-de-re und so weiter.

Was fesselt dich denn besonders beim Longboarden?

JB: Die Lässigkeit; dass es so unangestrengt aussieht (was es eigentlich ja nicht immer ist…).

Und ich bin jedes Mal auf’s Neue vom nächsten Trick solange gefesselt, bis ich ihn kann. Und dann den Nächsten und so weiter. Die Mischung, manchmal schnell kleine Erfolge zu haben und andererseits an anderen Sachen fast zu verzweifeln. Es ist fast wie eine Sucht, sich immer weiter zu entwickeln.

Josefine BlumeEmpfindest du es als Frau schwieriger ernst genommen zu werden beim Longboarden oder meinst du das ist vollkommener Schwachsinn?

JB: Nein. Ich hatte bisher eigentlich meistens das Gefühl, dass mir als Frau Respekt entgegengebracht wird. Die meisten Jungs freuen sich doch, wenn mal ein Mädchen mehr kann als ein bisschen rumrollern. Andersrum bin ich aber total neidisch auf die Jungs, die ihre Bretter angstfrei umherwirbeln und selbst durch die Luft fliegen… .

Was empfiehlst du denn deinen rollenden Mitstreiterinnen?

JB: Macht weiter und verliert nicht den Spaß, wenn es mal so scheint, dass ihr einen Trick niemals schaffen werdet. Ich beiße mir gerade an mehreren Sachen seit Wochen die Zähne aus, meine Schienbeine sind blau und manchmal könnte ich das Brett gegen die nächste Wand schleudern. Aber ich weiß inzwischen, dass das großartige Gefühl, wenn man einen Trick beim 1001. Versuch dann doch steht, einen für einfach alles entschädigt.

Und noch einige letzten Worte an die Leserschaft und Longboarder?

JB: Letzte Worte? Oh, das hört sich nicht gut an… Quatsch.

Geht skaten!

Björn ist 28 Jahre alt und hat Musik- und Medienmanagement, sowie Journalism and Visual Media studiert. Er kam vor Jahren zwecks Studiums aus Oldenburg nach Berlin, studierte zwischendrin ein Jahr in Dublin und kam seither nicht mehr von der Hauptstadt los. Vom Skaten und Snowboarden angetrieben, entwickelte sich schnell eine Leidenschaft zum Longboarden und die Idee zu rolligebrettl nahm Gestalt an und ging im Sommer 2012 online.

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5 Comments

  1. Stefan said:

    hey nur kurz das Interview ist super geworden und ich wollte wissen was sie für eine Marke fährt ich bin schon eine Weile auf suche nach einem coolen dancer und habe den richtigen noch nicht gefunden…

    Lg

  2. Schmeinis said:

    Sponsor! Sponsor! Sponsor! Guckt sie an ihr Horste und bewerft sie endlich mit Gear! Muahahaha

  3. Robert said:

    Cooles Interview, Coole Boarderin. Ihre Performance beim Eurodance hat mich schwer beeindruckt. Selten jemanden gesehen, der die eigene Fröhlichkeit so übersprudelnd verbreitet. Superspitze!
    Viel Spaß und Erfolg weiterhin!!

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