Interview: Marek Steinicke – Gründer von Betonsurfen

Marek Steinicke & Rolligebrettl

Marek Steinicke ist Gründer und Ladenbesitzer von „Betonsurfen“, ein Longboard Shop, welcher im April seine Pforten in Berlin öffnete. Er kommt aus dem Management und repräsentierte einen typischen Anzugträger, bis er seiner Affinität zum Surfen nachgab, das Longboarden entdeckte und nun seinen Traum mit „Betonsurfen“ lebt.

Marek SteinickeHey Marek, magst du unseren Leserinnen und Lesern vielleicht einmal ganz kurz erklären, wie du zum Longboard gekommen bist?Longboarden war für mich ein Zwischenschritt, zudem ich übers Surfen gekommen bin. Es war die Frage von mir und einem Kumpel, was wir in der Zeit machen, in der wir nicht am Meer sind. Er hat dann gesagt, dass ein Kumpel ihm erzählte, Longboarden sei so ähnlich wie Surfen. Ich als alter Skater hab gesagt, dass sind Juppi-Bretter! Er hatte dann eins mitgebracht und eine Woche später, hatte ich auch eins – und so hat die Sucht angefangen.

Und so wie ich dich bisher kenne, würde ich behaupten, es ist nicht bei dem einen Board geblieben. Was fährst du denn mittlerweile für ein Longboard oder hast du ein größeres Repertoire? Mein Repertoire ist jetzt bei über zwölf Brettern. Zum dancen fahre ich nach wie vor  den „Loaded oldskool Dancer“, mein absoluter Favorit. Manchmal auch das „Loaded Bhangra“, ich werde mich jetzt wahrscheinlich auch sehr mit den „Fibretec Dancer“ anfreunden.  Von der Form gefällt er mir sehr gut, wenn die Bambus Version kommt, denke ich wird es eines meiner Favoriten sein. Für die Stadt schwör ich hingegen auf mein „X-Flex“ von „Fibretec“ und ich habe gerade den Tanker für mich entdeckt! Zum cruisen, rollen und ganz gemütlich vor mich hin schwuppern.

Also für so ziemlich jede Situation, dass richtige Brett. Gibt es denn ein Brett was aus deiner Sicht noch gebaut werden müsste? Bin ich dran! Ich baue einen „dancebaren Citycruiser“. Also ich will ein Brett haben, was so ähnlich ist, wie das „X-Flex“, was ich jeden Tag benutzen kann, aber was ein bisschen größer ist, so dass man eben auch Dance-Moves machen kann. Was aber auch nicht so groß ist wie ein Dancer, den man sich nur unterm Arm klemmt, wenn man irgendwo hinfährt, wo man den Platz dafür hat – so ein Board fehlt aus meiner Sicht noch.

Das würde ich dann sehr gerne mal zum rollen ausführen, ich bin gespannt! Welche Philosophie verbindest du denn mit Longboarden oder welches Gefühl gibt es dir überhaupt? Hauptsächlich ist es die Sehnsucht nach dem Surfen. Zusätzlich kam der Vorteil, dass in Verbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, ich mit dem Longboard einfach unschlagbar bin, von der Geschwindigkeit und Fortbewegung her. Also ich lege Strecken auf dem Longboard in kürzester Zeit zurück und komme daher regelmäßig zu früh zu Terminen, weil ich wieder mal völlig unterschätz habe, wie schnell man eigentlich ist. Das Gefühl ist daher – Spaß pur! Also, einen schönen Tag, mit schön viel Sonne und dann irgendwie mit Leuten treffen und rollen, das ist einfach perfekt. Gerade die letzte sonnige Rollrunde am Sonntag , der Tag war rund. Ich bin sehr zufrieden um halb neun nach Hause gegangen und habe nichts mehr vom Tag erwartet – der Tag war erfüllt.

Seitdem du die „Juppi-Bretter“ für dich entdeckt hast, sieht man dich ja fast nur noch mit einem Brett in der Hand oder unter den Füßen. Was war für dich denn bisher das prägendste Ereignis beim Longboarden? Das prägendste Ereignis war eben die erste Fahrt auf dem Longboard. Es war ein ganz seltsamer Skatepark in Friedrichshain, der die merkwürdigsten Öffnungszeiten der Welt hatte. Der ist von 10 bis 18 Uhr wochentags geöffnet, samstags und sonntags ist er dann komplett zu, wegen den Anwohnern.  Hinzu kommt, dass sie einen zwei Meter hohen Zaun drum gezogen haben, wo ich dachte: „Alles klar Kinder, lernt zu schwänzen!“ Und da gibt es ein einzelnes Obstacle, eine Betonwelle, in die ich dann rein bin und das Gefühl war ähnlich wie beim Surfbrett auf der Welle. Und da dachte ich so: „Ahh, okaaayyyy!“ Das war so meine die Zündung, mein Schlüsselerlebnis. Und wenn ich jetzt Pool fahre, kann man das eben reproduzieren und das macht mich sehr glücklich!

Also wenn ich das dann mal so interpretieren darf, hast du deine Leidenschaft, dann mit „Betonsurfen“ zum Beruf gemacht? Ja das war die Idee, ich war zehn Jahre im Management, bin viel rumgereist, wochentags nur in Hotels geschlafen, in irgendwelchen Städten in Deutschland und dann gab es einfach irgendwo so einen Punkt morgens – „ne erschieß mich eineraber ich will nicht zur Arbeit“ – dann kam durch einen Jobwechsel die Situation, in der ich jetzt bin. Ich dachte dann  ok, einfach mal probieren seinen Traum wahr zu machen! Ich verzichte eben auf das ganze Geld, welches am Monatsende übrig ist und solange meine Miete und mein Essen bezahlt sind, bin ich glücklich. Weil, ich habe meine Bretter, ich habe mein Sport und wenn ich davon leben kann – was will man mehr? Würde ich am Meer wohnen und hätte ich ein Surfbrett, würde ich auch von Hartz 4 leben.

BetonsurfenDa reißt du ja schon etwas von meiner nächsten Frage an und zwar hast du erwähnt, dass du vorher im Management tätig warst. Was hast du denn genau vor „Betonsurfen“ gemacht?Ich war vor „Betonsurfen“, der Lizenzmanager für die „Deutsche Post“, Softwarelizenzmanagement um genau zu sein und davor der Fachbereichsleiter Lizenzmanagement bei „Karstadt Quelle“.

Ah, gar nicht mal so ein kleines Tierchen. Hehe, hat auch überhaupt nichts mit Longboarden zu tun, Anzugträger auf gut Deutsch.

Und mittlerweile Hoodieträger. Solange bist du nun ja noch nicht dabei mit „Betonsurfen„, aber was wäre denn dein bisheriges Fazit? Fühlst du dich auf dem richtigen Weg unterwegs, oder sollte ich einfach fragen – bist du glücklich? Ich bin auf jeden Fall glücklicher! Steh morgens auf, mach mich gemütlich fertig und zuppel in meinen Laden. Ich bin noch lange nicht da, wo ich hinkommen möchte mit dem Laden. Na ok, nach sechs Wochen kann man auch nicht erwarten, dass die Hütte den ganzen Tag voll ist. Aber ich habe noch keine Zweifel an meiner Entscheidung, ich denke schon, dass ich das richtige mache, es muss einfach nur laufen – dann  ist alles supi.

Wie entstand eigentlich der Name „Betonsurfen“, klingt ja schon nach einer Surf / Longboard Connection? „Betonsurfen“ ist eben genau dieser Schritt, der damals zum Longboarden führte. Das ich eigentlich Surfen wollte und jetzt quasi diesen Zwischenschritt habe, in der Stadt zu surfen, auf Beton zu surfen. Stadt, Beton, Surfen, was ja auch in meinem Logo vereint ist, diese Welle, die dann in der Betongeraden endet. Das ist eigentlich so das Gefühl, was ich und auch erstaunlicher Weise, viele die ich getroffen habe empfinden, gerade auch aus dem Surferumfeld. Ich würde locker behaupten können, dass ¾ aller Surfer, in der Freizeit auch Longboard fahren! Das hat eine Verbindung und das ist was der Laden eben repräsentiert – „Betonsurfen“. Wenn ich keine Wellen habe, dann surf ich eben auf Beton!

Marek Steinicke und Rolligebrettl

Und was ist dein Ziel, wo möchtest du irgendwann noch mit deinem Laden oder deiner Idee landen? Eigentlich will ich mich nur tragen, also ich habe keine Ambitionen eine große Kette aufzubauen, oder irgendwie reich damit zu werden. Es soll wirklich für meinen Lebensunterhalt reichen und dann bin ich zufrieden. Wenn ich dann ab und zu noch in der Winterpause in Urlaub kann, dann ist das das  i-Tüpfelchen, die Kirsche oben auf der Torte.

Ist das auch dein persönlicher, bzw. privater Traum oder unterscheidet sich der vom Shop? Eigentlich kaum. Wenn der Laden, das Longboardgeschäft, ausreicht, um mich ab und zu aufs Surfbrett zu stellen, dann ist mein Traum erreicht. Mehr brauche ich nicht.

Und wie könnten dir die Leser dabei helfen? Einfach vorbeikommen. Kommt vorbei, wir hauen uns draußen auf die Bank oder drinnen auf die Couch, gucken uns Decks an und quatschen über Bretter oder Gott und die Welt. Getränke sind auch vorhanden, also dem Chillen steht nichts mehr im Wege.

Also auf der Couch lässt es sich definitiv aushalten. Hast du selber noch eine Frage im Kopfe die ich dir unbedingt stellen sollte, es bisher aber leider noch nicht getan habe? Nö, die einzige Frage, die ich mir ab und zu stelle ist, wie man z.B. die Berliner Longboard-Community auf einen Nenner bringen kann. Es gibt so viele kleine separate Grüppchen, die von einander gar nichts wissen.Marek Steinicke

Selber schon Lösungsansätze? Irgendwie Social Media so zu verbinden, dass eben auch Alle wissen, dass es diese Gruppe gibt und sich auch austauschen können. Das heißt ja nicht, dass die anderen Gruppen sich auflösen müssen, aber so, dass wenn man sich verabredet, möglichst viele mit den gleichen Interessen findet. Was ich sehr schade finde ist, dass wir so viele kleine Gruppen haben, die aneinander vorbei leben.

Da hast du gar nicht mal so Unrecht, ist noch etwas sehr zerstreut das Ganze. Was würdest du jedem denn raten, der nun so wie du, seinen Traum, seine Idee, so lebt bzw. umsetzen möchte? Man muss es einfach tun. Den Spruch hat man schon tausend Mal gehört und jeder sagt ihn selber. Man muss es selber riskieren, man muss gucken, ob man es schaffen kann. Macht keine Schulden, sondern guckt, ob ihr so viel Geld beiseite habt und wenn ihr es schafft, probiert es einfach aus, ihr könnt trotzdem noch zurück in euren langweiligen Job.

Noch einige letzten Worte? Nö, Spaß haben!

Björn ist 28 Jahre alt und hat Musik- und Medienmanagement, sowie Journalism and Visual Media studiert. Er kam vor Jahren zwecks Studiums aus Oldenburg nach Berlin, studierte zwischendrin ein Jahr in Dublin und kam seither nicht mehr von der Hauptstadt los. Vom Skaten und Snowboarden angetrieben, entwickelte sich schnell eine Leidenschaft zum Longboarden und die Idee zu rolligebrettl nahm Gestalt an und ging im Sommer 2012 online.

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