Olson & Hekmati: Hekmati über neue Rollen und vergangene Delaminations-Probleme

Mittlerweile haben sich einige deutsche Longboardbrands am Markt breit gemacht. Eine der größten und mittlerweile beliebtesten davon ist Olson & Hekmati. Oliver Dehmel und Björn Hekmati trafen sich zum ersten Mal 2006 in Mainz beim Skaten. Die Beiden teilten die gleiche Leidenschaft – eigene Bretter bauen. So ging es los, dass die Beiden in den folgenden Jahren viele Custom Bretter anfertigten. Irgendwann musste der nächste Schritt kommen und Olli und Björn nannten sich ab 2007 Olson & Hekmati (ein „O“, sowie ein „H“, zusammengesetzt aus den Barrel Shapes). Ende des Jahres zog Björn um und damit auch O&H, die nun ihre erste Longboad-Werkstatt einrichteten. Nachdem der Grundstein für die spätere Dehmel und Hekmati Gbr gelegt wurde, die Standardisierung
der Shapes kam und der erste Mitarbeiter eingestellt wurde, entwickelte sich auch die Nachfrage nach den Brettern rasant. Mittlerweile haben Björn und Olli bereits ihren Shop „Asphaltinstrumente“ in Mainz eröffnet und stellen nun sogar Longboard Rollen her.

Björn Hekmati hat sich die Zeit genommen und sprach über ihre neue Rolle und vergangene Probleme mit dem Olson & Hekmati Dancer, aber auch über das was noch kommen mag.

Hey Björn, nachdem Ihr den Hype um die Olson & Hekmati Boards überstanden habt, kommen nun eure Wheels. Was brachte der Hype, wenn man es so nennen möchte, denn für Veränderungen für euch mit?

Wir nehmen zwar wahr, dass unsere Bretter besonders im Forum longboardz.de seit geraumer Zeit häufig empfohlen werden und das es eine Reihe von Kunden gibt, die von unseren Produkten sehr überzeugt sind. Unsere Verkaufszahlen entwickeln sich hingegen relativ linear und das ist auch gut so. Insofern würden wir selber den Begriff „Hype““ wohl erst dann in den Mund nehmen, wenn wir zum ersten Mal in eine Talkshow eingeladen werden (lacht).

Eure Bretter geben optisch einiges her und fahren sich auch echt super. Leider hört man ab und an, dass es, speziell bei der Verleimung, Verarbeitungsfehler gibt. Kulant seid Ihr allemal und stimmt eure Kunden, sofern was mit den Brettern ist, dann ja auch wieder glücklich. Woher kommt dieses Phänomen?

Die Delamination hat zwei Ursachen um genau zu sein. Zum Einem neigte eine Charge des uns zugelieferten Multiplex-Ausgangsmaterial zur Delaminierung der werkseitigen Verleimung, zwischen den einzelnen Sperrlagen, trotz bester Qualität.

Olson & Hekamti stellt seine Manufaktur-Bretter ja nach wie vor alle in Handarbeit her und so haben wir eine zweite Ursache bei uns gefunden. Ein Mitarbeiter meinte es gut und hat eine Zeit lang versucht, sparsam mit dem Harz umzugehen – und er hat dies dann eigenmächtig im Produktionsablauf umgesetzt. Daher sind bei einigen Boards, die Verklebungen unsererseits, leider, nicht ausreichend harzgetränkt ausgeführt worden, was dann zu Delamination im klassischen Sinne geführt hat. Unseren Mitarbeiter haben wir natürlich wieder auf Kurs gebracht und ihm kurz aufgezeigt, dass wir besser mit wesentlich mehr Harz kalkulieren und das das auch gut so ist.

Wir sind mittlerweile dazu übergegangen, unsere Verklebungen mit einer dünnen Vlies-Schicht  beziehungsweise mit eingedicktem Harz auszuführen, um eine ausreichende Tränkung zu erzwingen – so kann das Holz nicht mehr einfach das Harz aufsaugen.
Das Problem tritt besonders bei den langen Dancern zutage, weil diese am stärksten flexen und deren Aufbau daher auch der stärksten Belastung, besonders hinsichtlich Scherung, ausgesetzt ist. Mit demselben Material kann man zum Beispiel 1a haltbare Downhill-Boards bauen. Ein ehemaliger Berliner, der nach Stuttgart gezogen ist, hat sein Dancer unter eine S-Klasse geschoben – ein Schaden entstand an der S-Klasse – nicht am Board. Das stand sogar im Forum, soweit ich mich erinnere.

Als wir auf das Problem aufmerksam wurden, haben wir sofort alle Boards aus dem Lager genommen und sind wild drauf rumgesprungen, um die fehlerhaften Boards direkt auszusortieren. Leider sind dennoch ein paar fehlerhafte Bretter rausgegangen, laut unseren Zahlen trat bei maximal 1-2% der Boards eine Delamination auf – für unseren Geschmack dennoch viel zu viel! Wir ersetzen in der Regel die Bretter, weil wir uns einen schlechten Ruf hinsichtlich Qualität mit unserem Namen und unserem Volumen ganz sicher nicht leisten können. Wir hoffen sehr, das Problem mittlerweile in den Griff bekommen zu haben. Allerdings gehen Boards, wenn sie hart geshreddet werden, auch einfach mal so kaputt. Das ist bei Skateboards so und bei Longboards im Trick-Bereich eben auch.

Woher rührte denn die Idee, auf einmal Olson & Hekmati Rollen herzustellen?

Wir sind ja auch eine Firma und müssen irgendwie Geld verdienen, beziehungsweise erwirtschaften um es halt in weitere Projekte zu stecken und Wheels sind – wenn man die Zahlen sieht – in der Produktion recht günstig. Hier lohnt es sich, die komplette Wertschöpfungskette im eigenen Haus zu behalten. Zudem können wir nun komplette Decks mit O&H Rollen ausliefern und das ist doch schon mal eine feine Sache.

Das klingt wirklich gut. Wo und wie wird die Olson & Hekmati Rolle genau hergestellt?

In Huntington Beach, Los Angeles. Wir sind nicht die einzigen die dort produzieren. Orangatang, Wefunk, Cult, Sector Nine und viele andere sind zum Beispiel auch dort. Orangatang hat jedoch eine spezielle Form für ihre gewellte Lippe bei den Wheels.

Die Olson & Hekmati Rolle wird in einer Open Mold Spritzgussform hergestellt und hat eine Lauffläche (Auflagefläche/Contact Patch) von 53mm. Mit 76a ist die Rolle sehr weich, lässt sich aber mit dem verarbeiteten Urethan trotzdem noch smooth sliden. Unsere Teamrider wollten halt eine Rolle, die durch den Grip wirklich schnell in der Kurve ist und diesen Wunsch haben wir mit berücksichtigt. Zudem lassen sich die 70mm auch noch gut pumpen.

Das Design ist ja wirklich schick, aber ihr wolltet ja sicherlich nicht nur schöne Rollen herstellen, sondern den Longboardern ja auch eine echte Alternative anbieten – steckt da eine Vision hinter oder wollt ihr was Grundlegendes in der Szene bewirken oder verändern?


Na ja, es gibt recht wenige Rollen, die weiß sind und das sieht in Kombination mit unseren dunklen Nussfurnieren einfach super aus. Außerdem ist die Rolle breit und zudem noch weich. Wir glauben, eine so weiche Rolle, die aber im Slide kontrollierbar ist und nicht stottert hat dem Markt noch gefehlt.

Nachdem eure Longboards einen so guten Start hatten, wie ist eure Erwartungshaltung bei den Rollen?

Keine, da gibt es wirklich keine. Wir haben da ziemlich mutig eingekauft, sind aber richtig, richtig gut gestartet. Der Olson & Hekmati Aufdruck auf den Wheels ist ganz gut geworden und weil wir keine wirkliche Erwartungshaltung hatten, wurden wir von der Nachfrage positiv überrascht.

Können wir noch auf weitere Rollen in Zukunft von euch hoffen?

Die Rolle ist ja als Allrounder gedacht – wenn es denn so etwas gibt. Sie fühlt sich beim technischen Downhill, sowie beim Pumpen wohl. Olli (Olson) meinte, dass noch Wheels um Slides zum üben super wären – aber das schauen wir erst dann, wenn wir sehen wie es mit der ersten Rolle läuft.

Was darf die Longboard-Community denn als nächstes von euch erwarten?

Wir wollen in Zukunft an der Torsion von Vollholzbrettern arbeiten. Normalerweise fängst du das mit schrägliegenden Faserlagen auf, die ja aber in reinen Holzbrettern nicht eingebaut werden, da sind keine Fasern drin und das heißt du hast mehr Torsion. Das ist ein Punkt an dem wir gerade rumtüfteln, um die Performance der Basic Boards noch weiter zu optimieren.

Ein weiterer Punkt wären dann noch die Grafik, wo wir gerade überlegen, diese bei den Basics einzuführen – aber keine Sorge, die Grafiken werden sicherlich graphisch und abstrakt, keine Bilderbücher auf unseren Boards, das würde nicht zu uns passen.

Achsen sind auch noch so ein Thema. Die konventionelle Konstruktion funktioniert, aber irgendwie ist das mit dem Kingpin und Pivot komisch gelöst, da müsste man sich was Neues einfallen lassen. Innovative Lagerungen jenseits der sphärischen Lager in CNC Achsen wäre da schon das nächste Stichwort – aber das ist alles noch ein gutes Stück entfernt. Wir müssen schon sehen, dass wir unser Kerngeschäft im Griff behalten und uns nicht in allzu vielen Spezialprojekten verlieren.

Björn ich bedanke mich bei dir für das nette und offene Gespräch, wird hoffentlich auch nicht das letzte gewesen sein. Noch einige letzten Worte?

www.olsonhekmati.de 😉

Vielen Dank an dieser Stelle an Olson & Hekmati für die tollen Fotos, das nette Gespräch und den Satz Rollen zum testen. Freut euch auf das Review der Olson & Hekmati Rolle!

Björn ist 28 Jahre alt und hat Musik- und Medienmanagement, sowie Journalism and Visual Media studiert. Er kam vor Jahren zwecks Studiums aus Oldenburg nach Berlin, studierte zwischendrin ein Jahr in Dublin und kam seither nicht mehr von der Hauptstadt los. Vom Skaten und Snowboarden angetrieben, entwickelte sich schnell eine Leidenschaft zum Longboarden und die Idee zu rolligebrettl nahm Gestalt an und ging im Sommer 2012 online.

Related posts

3 Comments

  1. Ole said:

    Heya!

    Na das war damals „nur“ eine E-Klasse. Ich glaube ich habe damals den ersten Dancer bekommen, den Ihr wirklich verkauft habt. Er rollt auch heute noch hervorragend zuverlässig und spaßbringend.
    Viele liebe Grüße aus Stuttgart und herzlichsten Dank! Ich wünsche Euch weiterhin alles Gute!

    Ole

  2. Pingback: Olson & Hekmati Rolle im Test | rolligebrettl.de

*

*

Top