”You can’t kill a man born to hang.” – die wefunk story

Fast ein Jahr ist es her, da traf ich auf der ISPO 2014, unter all den Longboardern und Longboardausstellern einen Typ, der mir mit einem ,auf ein Skateboard montierten Ski, entgegen kam – es war Alex Luxat, Gründer von wefunk Skateboards, mit seinem Snowskate! Alex hat seine Produktion umgestellt und von rollende Bretter auf gleitende Bretter am Schnee umgesattelt. Einige von euch kennen wefunk Skateboards noch und fragen sich warum der Brand verschwunden ist. Wieder andere sind nun beim Wort „Snowskate“ neugierig geworden und fragen sich, was ein Snowskate ist – nun, wir haben hier die Antworten auf eure Fragen – exklusiv von Alex für rolligebrettl.de verfasst! Viel Spaß beim Lesen seiner Geschichte „you can’t kill a man born to hang!“, by Alex Luxat.

„You can’t kill a man born to hang!“

Alex in Action © schotterflechte

Pfffh … wo fang ich jetzt so einen Aufsatz an? Und warum schreib ich ihn überhaupt?
 Kurzer Sprung zurück:

 Anfang 2014 treffe ich Markus Knoblechner auf der ISPO in München und wir unterhalten uns, warum ich dies Jahr keinen Stand habe, was ich so mache und über das Snowskate, dass ich mit mir rumschleppe.
 Ich komme vom Hölzchen auf’s Stöckchen und wir einigen uns, dass ich das doch besser mal für rolligebrettl.de aufschreiben soll. Jetzt ist schon wieder fast ein Jahr rum und die Story wird dadurch auch nicht unkomplizierter. 

Ich sollte/könnte/wollte ja auch über die Rückschläge und Pausen (viele), über fragwürdige Geschäftsethiken (weltweit), einen größenwahnsinnigen (und mittlerweile untergetauchten) Partner, verprellte Zulieferer, Händler und Kunden (in den USA und Kanada), Produktpiraterie und Produktionskatastrophen (auch in Europa) schreiben.

Ganz ernsthaft – Fuck that! 

Das ist Vergangenheit.

Bitteres Gejammere oder eine Schlammschlacht haben nicht den geringsten Nutzen, sondern ziehen einen weiter runter und geben schlechtes Karma.

Deswegen jetzt mal ganz allgemein: 

Man kann aus manchen Fehlern lernen und andere wird man eventuell wieder und wieder begehen (müssen), weil man ohne Vertrauen und Optimismus eben auch nicht durch’s Leben gehen kann. Erst recht nicht, wenn man etwas bewegen möchte.

 Das Scheitern gehört zum Erfolg, wie harte Slams, bevor man endlich einen Trick steht.
 Und das ist auch so ziemlich die wertvollste Lektion, die einem das Skate- oder Alex in der Bowl in Paris © Dominik KowalskiLongboarden beibringen kann: Aufstehen und wieder und wieder versuchen – weitermachen! 

Nun gibt es sowohl im Geschäftsleben als auch im Sport zwei Strategien, die zum Erfolg führen können: ”slow and steady” oder der ”leap of faith”. 
Da ”slow and steady” noch nie mein Ding war und idR. auch keine Medallien gewinnt, könnt Ihr davon ausgehen, dass ich sowohl körperlich als auch übertragen schon unzählige Male auf der Schnauze gelandet bin. So oft und so feste, dass ich auch schon an’s Aufhören gedacht habe.

 Aber wenn man erkennt, dass das Geschäft (oder der ”Lebensplan” – wenn ich so etwas hätte) in Scherben vor einem liegt, muss man sich die blutige Nase abwischen, die Scherben einsammeln und gucken was man daraus basteln kann.

 Das Gute und Unbezahlbare am ”leap of faith” ist aber auch, dass er mich in meinen jetzt bald 44 Jahren – davon jetzt 12 mit wefunk – schon in alle möglichen Winkel der Erde gebracht hat, mich großartige und auch weniger tolle Menschen hat treffen lassen und mein Leben alles andere als langweilig ist. 

Wie geht es also weiter mit wefunk?

Zukunft von wefunk

Alex auf seinem Snowskate © Scott EwenAuf der ISPO 2014 hatte ich ja schon einen Vorserien Proto meines neuen Snowskates, den Slasher dabei. Der Sub (Ski) ist nach ausgiebigen Tests mittlerweile in kleiner Auflage von 100 Stück in Deutschland produziert worden und ich hoffe, die auch in dieser Saison abzuverkaufen.
Im Snowskate Team sind jetzt David Reinthaler, Snowskate Boardercross Doppelweltmeister 2012+2013 und Raphael Sperl, beide aus Österreich. 
Ausserdem im Flow/Youth-Team zwei junge Snowboardchamps aus England: 
Ethan Smith (11), Scottish Freestyle Champion + English Boarder-Cross Champion 2014/15.
Harry Waite (14), auch in seiner Altersklasse immer auf dem Treppchen zu finden.
Die Kids sind die Zukunft!

David hat seinen Proto für wefunk auch auf Biegen und Brechen (haha, nein, er ist nicht gebrochen!) getestet und geht damit auch krass über die großen Kicker auf der Seegrube in Innsbruck.

fetter Method Air von TMR David © bause.atFür mich ist Snowskaten die perfekte Ergänzung zum Skaten und Longboarden. 
Anders als beim festgeschnallten Snowboard ist das Feeling deutlich näher an anderen Gleitsportarten, bei denen man ja auch nicht festgeschnallt ist.
Natürlich sind Tricks und vor allem Jumps deutlich schwieriger als auf einem Snowboard, aber dafür machen auch kleinere Hänge und Gelände- oder Parkfeatures wieder verdammt viel Spaß.
Man kann auch carven und heizen, wie mit einem Longboard oder Snowboard; muss aber nicht zwangsweise direkt in die Alpen fahren, um Spaß zu haben.
Und glaubt mir, SPASS kann man da wirklich groß schreiben. Soviel Spaß hatte ich auf einem Snowboard schon lange nicht mehr.

Ich habe plötzlich kleine Mittelgebirge wie das Sauerland oder die Eifel wieder völlig neu entdeckt.
Und zur Not tut es sogar ein kleiner Schlittenhügel und ne alte Bierbank, um den ganzen Tag Spaß zu haben. Und das alles ohne Bindungsgefummele und kaltem Hintern im Schnee.

Es gibt ja noch einige Zweifler, die die praktisch unfahrbaren, kleinen Gurken von Burton und Salomon aus den 90ern noch in Erinnerung haben. Ich kann garantieren, dass zwischen modernen Snowskates und den kleinen, billigen Spielzeugen Welten liegen!

Slasher von SnowskateLeider können die meisten der guten aber sehr kleinen US Brands nur direkt verkaufen, um Ihre Kosten zu decken und einen kleinen Gewinn zu erzielen. 
Deswegen gibt es dafür auch bisher in Europa keine Verfügbarkeit und keinen Markt.
 Man kann wirklich gut fahrbare Snowskates also nur kompliziert und mit teuren Versandkosten aus den USA oder Kanada importieren. Das einzige größere Brand, was Snowskates als ”Hobby” nebenbei produziert und vertreibt ist LibTech. 
Also liegt es nah, einen modernen Snowskate Sub direkt in Europa zu produzieren. 

Wenn dann aber auch die Händler übervorsichtig sind, sich Snowskates auf Lager zu legen, muss ich auch noch einen anderen Weg finden, Snowskates in Europa zu vertreiben.

 Deswegen habe ich dieses Jahr einen dedizierten Snowskate-Onlineshop, www.snowskate.de eröffnet, wo ich natürlich meine wefunk Subs aber auch andere Brands und Teile verkaufe.

Snowskate im Onlineshop

Das Geschäft läuft jetzt langsam an. Ich hatte zwar überraschend gute Verkäufe im August, aber jetzt geht es natürlich erst richtig los.

Ich bin mit wefunk und dem Snowskateshop jetzt erstmalig auch für den Winter gut aufgestellt, aber danach kommt natürlich irgendwann wieder der Sommer.

Da meine Finanzen komplett in den Snowskates und dem Shop gebunden sind, traf es sich perfekt, eine neue Zusammenarbeit mit einem anderen Brand einzugehen:

Ich bin jetzt seit kurzem technischer Produktmanager für RAM Longboards und betreue die neue Kollektion für 2015. Das schlichte und gradlinige Design von RAM passt gut zu meiner Produktphilosophie und ich konnte die Completes durch gezielte Teileauswahl und technische Änderungen qualitativ nach vorne bringen. Viele kleine Detailverbesserungen multiplizieren sich zu einem, in sich ”runderen” und schlüssigeren Complete, dass dann auch entsprechend Spaß macht zu fahren.

Im Gegenzug habe ich auch die Produktion und den Vertrieb von wefunk (Skateboards) abgegeben, bin aber nachwievor für Design und technische Umsetzung verantwortlich.

Sowohl RAM als auch wefunk werden sportliche cruiser, carver, dropthrus, twin kicks usw. von 29” bis 50” und zu sehr fairen Preisen im Lineup haben. Lasst Euch überraschen!
TMR David © bause.atIn der Zwischenzeit könnt Ihr Euch ja auf snowskate.de und der dazugehörigen Facebook Seite von einigen Snowskatevideos anfixen lassen. Vielleicht fällt dann das Warten auf den nächsten langen Skatesommer nicht so schwer.

 wefunk geht es also gar nicht so schlecht. 
Die blutige Nase ist vergessen, der Erfahrungsschatz ist gewachsen, und 2015 ist wefunk breiter aufgestellt als jemals zuvor.

 Zurück zum Anfang:

 ”You can’t kill a man born to hang.” – Den Spruch kenne ich als claim von ”Dick’s Last Resort”, einer Restaurant-Kneipe in San Diego, wo sich Typen bei sehr großer Bierauswahl auch mal daneben benehmen dürfen. Das hat mich tief beeindruckt. =) 
Aber letztendlich geht es dabei darum, dass manche Menschen einfach nicht platt zu kriegen sind, bevor sie ihr Ziel oder ihre Bestimmung erreicht haben. 
Wenn auch an nichts anderes – daran glaube ich fest!

 

 

Über Alex 

Alex Luxat, geb. 1970 in Köln, Gründer von wefunk Skateboards, fährt seit 1974 Ski, seit ’78 Skateboard, seit ’87 Snowboard, seit ’93 Longboard.

• DSDV Snowboardlehrer (ist später im DSLV aufgegangen)

• Jurastudium in Köln, abgebrochen weil zuviel Snowboard

• Designstudium mit Diplom abgeschlossen (!)

• Produktdesigner für Opalglasleuchten bei Peil+Putzler, Düren

• Gründung PocketLaw.de, e-book Verlag für dt. Gesetzestexte für Palm und Pocket-PC

• Ende 2002 Gründung wefunk Skateboards (zusammen mit Arne Eberhardt).

• Gastdozent und komissarischer Werkstattleiter im Formenbau in der KISD (Köln Intl. School of Design) – (in der Werkstatt sind die wefunk Speedbone Triple Torsionbox Decks entstanden)

• Composite Technician in der Formel 1 bei Toyota Motorsport

• danach und bisher wieder: wefunk

• jetzt neu: snowskate.de

Markus Knoblechner

Er fotgrafiert, er schreibt, er skatet - am liebsten verbindet er alles miteinander. Die Rede ist von Markus Knoblechner, 26 Jahre und aus Salzburg, Sportjournalist Student, seit 2011 am Rollbrett unterwegs und seit 2013 sucht er den Kick beim Freeriden und Downhill. Neben rolligebrettl arbeitet und bastelt er an seinem eigenen Salzburger Longboard Blog und widmet seiner Zeit der Aktionsportfotographie. Ein cooler Typ, der vor Motivation nur so sprüht, wir freuen uns daher Markus mit an Board zu haben.

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